Das Ende des 2. Weltkriegs in Partenstein

Das Ende des 2. Weltkriegs brachte auch für Partenstein diverse einschneidende Veränderungen. Vieles davon wurde bisher noch nicht aufgearbeitet und dokumentiert.
Hier ist nur ein kleiner Bericht über das Kriegsende in Partenstein. Vielleicht findet sich jemand, der sich diesem Thema widmet und Licht in diese dunkle Zeit bringt?

http://gw-partenstein.de/wp-content/uploads/kriegsende_partenstein.pdf

Protest gegen die Sonntagsarbeit in der Holzschleiferei des Gottfried von Kiesling im Jahr 1876

Die Partensteiner Arbeiter des Gottfried von Kiesling protestierten 1876 gegen die Sonntagsarbeit.
Man sollte bei der Bewertung des Vorgangs berücksichtigen, dass die Arbeiter neben der Fabrikarbeit meist noch eine Landwirtschaft betrieben.
Da hier die Namen der Arbeiter erwähnt sind, ist der Beitrag für Familienforscher interressant.

Sonntagsarbeit in der Holzschleiferei des Gottfried von Kiesling

Notizen zur Volksmedizin in Partenstein

Der Arzt Dr. Eugen Nätscher kam 1946 als erster Arzt nach Partenstein. Er war bis 1989 tätig und untersuchte auch alte Behandlungsmethoden, die Anwendung fanden, als es noch keinen Arzt in Partenstein gab.
Durch seine Überzeugende Art, hatte er das Vertrauen seiner Patienten, die ihm oftmals alle ihre Geheimnisse anvertrauten.

Notizen zur Volksmedizin in Partenstein

Der Schatz des Höger.

Geschichtswerkstatt
Partenstein

Der Schatz des Höger

Eine Geschichte von drei Talern.

Millionen von Bundesbürgern hoffen Woche für Woche auf einen Lottogewinn.
Viel älter ist der Wunsch einen Schatz zu finden.
Deshalb ist einer der ältesten „Berufe“ der des Schatzsuchers, oder anders ausgedrückt der „Beruf“ des Grabräubers.
Während die Grabräuber gezielt in Gräbern von Pharaonen, Fürsten, Königen und anderen wohlhabenden Menschen nach Gold und anderen Wertgegenständen suchten, fallen Schätze oft aus reinen Zufällen in die Hände ihrer Finder.

Heute, mit High-Tech Metallsuchgeräten, Mini-U-Booten und anderen technischen Hilfsmit-teln gibt es Profis, die davon leben Wertgegenstände zu suchen.
Voraus geht meist ein Studium von geschichtlichem Quellenmaterial und intensivem Suchen in Bibliotheken und Archiven.

Oftmals sind die gefundenen Schätze für uns heute weniger interessant als die Motive derjeni-gen, die den Schatz versteckten, oder überhaupt die Frage wer wohl den Schatz vergraben hat.

Natürlich bringt es nicht viel mit einem Spaten irgendwo zu graben.
Sinnvoll ist es an Stellen zu buddeln die geschichtsträchtig sind, wo irgendwann mal Men-schen gelebt haben die Kriegswirren oder Überfälle erleben mussten.
Oftmals werden bei Bauarbeiten, hauptsächlich beim Ausschachten von Baugruben Schätze gefunden. Auch beim Ackerbau, beim Pflügen, sind schon oft Wertsachen an das Tageslicht gekommen.

Was ist ein Schatz?
Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB § 984) ist ein Schatz eine Sache, die solange ver-borgen gelegen hat, dass sich der rechtmäßige Eigentümer nicht mehr ermitteln lässt.

Nun das ist die gesetzliche Definition. Im nachfolgenden soll von einem „Schatz“ gesprochen werden, dessen Wert zu der Zeit in der er versteckt wurde, für seinen Eigentümer, bestimmt sehr hoch war. Für uns heute ist der ideelle Wert höher als das was man für den Schatz erlösen würde. Über den Wert eines Schatzes und über seinen ursprünglichen Besitzer werde ich auf den nächsten Seiten berichten.

Ich kann mich noch vage an das Haus erinnern. Es stand in der Hauptstraße und hatte die alte Hausnummer 62. Diese Nummern wurden erst in den 1970er Jahren auf straßenbezogene Nummern umgestellt. Vorher wurden die Nummern der Reihe nach vergeben, so dass zwei nebeneinander liegende Nummern auf den gleichen Zeitraum des Hausbaus schließen lassen konnten, nicht aber auf das nebeneinander liegen der Häuser.
Die Hausnummern in Partenstein wurden vermutlich um 1820 eingeführt, damals gehörte Partenstein seit sechs Jahren zu Bayern.
Das Haus war ein typisches Spessart-Haus.
Die Wohnräume waren über eine Treppe zu erreichen. Geradeaus war die Küche.
Links die Wohnstube und die Kammer, wie das Schlafzimmer hieß. Rechts waren noch zwei Räume.
Im oberen Stock, durch eine breite Stiege (Treppe aus Holz) zu erreichen, unter dem Dach, waren ein großer Wohn oder Schlafraum und der Getreidespeicher.
Im unteren Teil des Hauses befanden sich die Vorrats- und Kellerräume.
Was mich an diesem Hause beeindruckte war der Backofen. Ein richtiger Backofen in der Küche. In diesem Backofen wurde von vielen Generationen Brot gebacken. Nicht nur von den Bewohnern des Hauses, sondern auch von Verwanden und Freunden. Durch den Backofen und die damit verbunden Arbeiten machte die Küche einen recht dunklen Eindruck. Ein kleines Fenster spendete nur wenig Licht. Die Häuser im Spessart waren alle im gleichen Stil gebaut. Fenster waren teuer und ließen im Winter die Kälte in die Wohnung.
Das Haus befand sich im Jahr 1953 im Besitz der Eheleute Christine und Adolf Steigerwald.
Christine, eine geborene Amend, hatte das Haus von ihren Eltern geerbt.
Der junge Metzgermeister Adolf Steigerwald wollte das Haus abreißen und an
der gleichen Stelle ein großes, zeitgemäßes Wohnhaus mit Laden, sowie einer Metzgerei auf-bauen.
Wie damals üblich, wurden bei Bauarbeiten die Hilfsarbeiten von Verwandten und Freunden ausgeführt. Diese bekamen für die Arbeit meist ein Vesper und die Hilfe der anderen, falls sie selbst mal Hilfe benötigten.
Beim Abriss des Daches fand einer der Helfer, in einem gut getarnten Versteck, drei Silbermünzen.
Es waren Maria-Theresia-Taler. Eine Münze mit einem Durchmesser von 41 Millimetern und einem Gewicht von 28 Gramm. Das Silber war dunkel angelaufen, an manchen Stellen glänzte es noch.
Über den Verbleib der Münzen weiß ich nichts, ich nehme an dass sie beim Metzgermeister Adolf Steigerwald blieben und dass der Finder, Johann Breitenbach, eine als „Finderlohn“ behalten durfte. Auch diese Münze ist heute verschollen.

Was ist ein Maria-Theresia-Taler?

Die Kaiserin Maria-Theresia (geboren 1717, gestorben 1780) zählt zu den schillerndsten Per-sönlichkeiten in der europäischen Geschichte.
Sie trat im Alter von 23 Jahren die Thronfolge ihres Vaters, Karl VI, an.
Zu Beginn ihrer Regierungszeit musste sie ihre Erbfolge verteidigen und Kriege gegen Frank-reich, Spanien, Preußen und Bayern führen. Vor allem das erstarkende Preußen wollte auf Kosten Österreichs expandieren.

Innenpolitisch brachte sie einen neuen Wind, durch zahlreiche Reformen, in das Land. Was ihr zahlreiche Sympathien ihrer Untertanen einbrachte.
Die Mutter von 16 Kindern herrschte über ein Riesenreich, in dem außer Österreicher auch Armenier, Italiener, Lothringer, Niederländer, Schweizer, Serben, Slowaken, Spanier, Türken und Ungarn lebten.
Also ein Vorläufer eines vereinten Europas.
Der Dichter Hugo von Hofmannsthal sagte über die Monarchin: “Bis in den Tod hinein offen-barte Maria Theresia die wunderbare Vereinigung zweier so seltener als scheinbar widerspre-chender Eigenschaften in einer Natur: der vollkommensten Menschlichkeit und Weiblichkeit, Weichheit, Herzenswärme, mit einer unbeugsamen Stärke der Seele. Ihr Charakter einer Frau geht in der vollkommensten Weise in den der Regentin über. Sie war eine große Herrscherin.“

Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation konnte Maria Theresia, als Frau, aus rein formalen Gründen, nicht werden.
Sie war es nur in dem Sinne, dass ihr Mann Franz Stephan von Lothringen nach dem Tode Karls VII von Wittelsbach 1745 Kaiser geworden war.
Außerdem war sie die Mutter zweier späterer Kaiser, nämlich Josefs II. und Leopolds II.

Der Maria-Theresia-Taler wurde seit 1741 geprägt. Die Vorderseite des Talers zeigt das Brustbild der Kaiserin mit der Umschrift: M THERESIA D G IMP HU BO REG; was frei übersetzt heißt: Maria Theresia, von Gottes Gnaden, römische Kaiserin, Königin von Ungarn und Böhmen.
Die Rückseite zeigt den Doppeladler mit der Kaiserkrone über Adlerköpfen, ein vierfach ge-teiltes Schild mit den Wappen von Ungarn, Böhmen, Burgund und Burgau. Oberhalb des Schildes sind die Kronen von Ungarn und Böhmen abgebildet. Die Umschrift lautet: ARCHID AUST DUX BURG CO TYR und die Jahreszahl der Prägung. Übersetzt: Erzherzogin von Österreich, Herzogin von Burgund, Gräfin von Tirol.

Am 21. 9. 1753 schloss Maria Theresia mit dem Kurfürsten von Bayern einen Münzvertrag. Darin war der Silbergehalt der Münzen vereinbart, damit die Währungen austauschbar wurden.
Die Grundlage für die damalige Guldenwährung war die Kölner Gewichtsmark zu 233,856 Gramm Silber.
Aus einer Mark Silber konnten 10 Konventionstaler oder 20 Gulden geprägt werden.
Demnach hatte ein Maria-Theresia-Taler das Silbergewicht von 23,38 Gramm.
Ein Maria-Theresia-Taler war 2 Gulden oder 120 Kreuzer wert.

Die Maria-Theresia-Taler waren in Österreich bis 1892 gesetzliches Zahlungsmittel. Im Orient und in Afrika war die Münze die wohl bekannteste, sie wurde bis ungefähr 1950 überall in diesen Ländern als Zahlungsmittel akzeptiert.

Der Wert des Schatzes.

Es ist schwierig den damaligen Wert von drei Maria-Theresia-Talern zu beschreiben. Die größtenteils bäuerliche Bevölkerung Partensteins war im weitesten Sinn Selbstversorger was den Lebensunterhalt betraf. Die Möglichkeit Geld zu verdienen war in jener Zeit in dem Dorf sehr gering, da es keine Industrie oder sonstige prosperierte Wirtschaftszweige gab. Für den Besitzer waren demnach drei Taler gespartes Geld schon eine kleine Rücklage.
Es ist vorstellbar daß ein Handwerker, zum Beispiel ein Maurer, in Partenstein einen Monat für drei Taler arbeiten musste. Oder ein gut gefüttertes, ausgewachsenes Schwein war dafür zu haben.
Umso mehr verwundert es, wenn man liest was die Französischen Soldaten bei der Besetzung von Partenstein vom 19. bis zum 24. Juli 1796 für Schäden anrichteten.
So ist in einer Aufstellung die vermutlich vom Pfarrer Müller und vom Schulmeister Diehl stammte, zu lesen: „Der den Privaten (Einwohnern) zugefügte Schaden betrug 7695 Gulden, 4 Kreuzer an Geld, Zugvieh, Schlachtvieh, Fourage, Getränke, Esswaren usw. Pfarrer Müller hatte allein einen Schaden von 985 Gulden und 5 Kreuzer und der evang. Schulmeister Johann Ernst Diehl einen solchen von 304 Gulden“.
Man muss berücksichtigen dass die hohen Kosten auch daraus resultieren, dass „Gebäude rui-niert wurden und sonst daraus entwendet wurde“.
Die Bauern mussten mit Ihren Pferdegespannen verwundete Soldaten den durcheilenden Truppen nachfahren, da am 17. Juli zwischen Wiesen und Frammersbach, auf der Seilhöhe, eine Schlacht zwischen der Vorhut des französischen General Jordan und der Nachhut des deutschen Freikorps Buissy stattfand.

Die Soldaten machten keinen Unterschied ob sie auf feindliche oder verbündete Zivilbevölke-rung stießen. Sie bedienten sich erstmal.
Trotzdem erscheint mir die Aufstellung der beiden Partensteiner über ihre Vermögensverluste sehr hoch. Es ist natürlich denkbar, dass man die Schäden besonders hoch angab um zumin-dest etwas an Vergütung, von der zuständigen Verwaltung, herauszuschlagen.
Ob diese Bemühungen von Erfolg gekrönt waren ist nicht bekannt.
Es gab jedoch weitere Kriegswirren in den darauf folgenden Jahren.
Am 7. Oktober 1796 starb der französische Kriegsgefangene Piere Benepair auf einem Transport durch Partenstein, er wurde hier beerdigt.

In den darauf folgenden Jahren wurde das Dorf immer wieder von durchziehenden Truppen-teilen heimgesucht, wenn auch die dabei angerichteten Schäden nicht mehr so hoch wie 1796 waren, so herrschte doch immer die Angst dass wieder alles was der karge Boden hergab, das Vieh, die Ernte, Haus und Hof, übernacht zerstört werden könnte.
Napoleon eroberte Deutschland. Der Mainzer Kurstaat wurde 1801 aufgelöst.
Partensteiner Männer waren als Soldaten in der Garnison Aschaffenburg eingezogen, kämpf-ten für Frankreich in Österreich, Spanien und starben auch dort.
Am 12. Februar 1812 marschierten die Soldaten des Fürstentums Aschaffenburg, darunter auch Partensteiner Männer, über Fulda, wo sie eingekleidet und mit Waffen versehen wurden, nach Norden wo sie zusammen mit Napoleons „großer Armee“ nach Russland zogen.
Nur wenige kehrten im Winter darauf geschlagen, zerlumpt und halbverhungert zurück. Napoleons Stern begann zu sinken.
Im Oktober 1813 kam es zur Völkerschlacht bei Leipzig.
Am 20. Januar 1814 fordert der Distrikts-Maire Sommer (ein Jahr später nannte er sich Land-richter, heute mit dem Landrat zu vergleichen) den Maire (Bürgermeister) von Partenstein auf, den Landsturm auszuheben.
Jeder wehrfähige Mann zwischen 17 und 60 Jahren, der nicht Soldat war, sollte dazu herange-zogen werden.
Von durchziehenden und einquartierten Soldaten wurde eine Seuche eingeschleppt. Sie wurde Fleckfieber, Kriegspest oder auch russisches Nervenfieber genannt.
Die Krankheit hatte ihren Höhepunkt Ende 1813-Anfang 1814. Nach den Sterberegistern der evang. und der kath. Kirchengemeinde starben an dieser Krankheit 103 Einwohner in den beiden Jahren.
Partenstein hatte im Jahr 1814, als sich die politischen Verhältnisse beruhigten und Partens-tein zu Bayern kam, 694 Einwohner, die in 129 Familien lebten und in 114 Häusern wohnten.

Wer hat den Schatz versteckt?

Zurück zu unserem Schatz. Wer hat wohl die drei Maria-Theresia-Taler versteckt?
Die ersten Maria-Theresia-Taler wurden 1741 geprägt. Also kann der Schatz erst nach dieser Zeit versteckt worden sein.
Im Jahre 1871 ging der lang ersehnte Wunsch vieler Deutscher nach einem geeinten Vaterland in Erfüllung. Noch im selben Jahr gelang der Durchbruch
auf dem Weg zur deutschen Münz- und Währungseinheit.
Es dauerte aber noch einige Jahre bis alle alten Münzen aus dem Verkehr gezogen waren. Also nehmen wir an dass der Schatz spätestens 1875 versteckt wurde.
Nun haben wir einen Zeitraum von 1741 bis 1875 den wir genau untersuchen müssen.

Es muss jemand gewesen sein, der in einer unsicheren Zeit lebte. Über unsichere Zeiten habe ich berichtet. Also liegt es nahe dass er in der oben beschriebenen, unsicheren, von Kriegswir-ren geprägten Zeit zwischen 1790 und 1814 versteckt wurde.

Des Weiteren dürfte unstrittig sein, dass die Taler von einem Bewohner des Hauses dort im Gebälk des Daches versteckt wurden.

Ebenso unstrittig ist, dass ein Schatz erst dann zu einem Schatz wird, wenn der Eigentümer keine Möglichkeit mehr hat ihn zu bergen.

So nun sind alle Kriterien bekannt, nun können wir an Hand der Bewohner die im fraglichen Zeitraum zwischen 1741 und 1875 dort lebten, suchen wer denn wohl den Schatz dort depo-nierte.

Wir können das Alter des Hauses nicht abschätzen. Es dürfte aber zwischen 1780 und 1810, wie ähnliche Häuser, die jedoch alle nicht mehr stehen, oder doch so verändert wurden dass sich kaum noch Gemeinsamkeiten ableiten lassen, gebaut worden sein.
Also schränken wir die fragliche Zeit, in der die Taler versteckt wurden, etwas ein. Wir su-chen von 1875 bis 1780 nach rückwärts.

Weiterhelfen kann uns die Ahnenforschung!

Rückwärtssuchend werden die Bewohner des Hauses Nr. 62 betrachtet.
Erwartungsgemäß sind ersten unauffällig. Dann kommt die oben angeführte schlechte Zeit und dann fällt auch schon der Groschen.

Es war der „Höger“.
Zu dieser Erkenntnis kommt man zwangsläufig wenn man die Lebensdaten der Bewohner des Hauses betrachtet.
Höger wurde der Johann Peter Born genannt.
Die vielen gleichen Namen in Partenstein zwangen die Leute zur Unterscheidung „Hausnamen“ und „Spitznamen“ einzuführen.
Woher Johann Peter Born den Namen Höger hat ist nicht zu klären.
Er wird wohl Peter gerufen worden sein, da fast jeder Partensteiner in der damaligen Zeit mit erstem Namen Johann hieß. War Johann nur ein symbolischer Name? Der Grund weshalb fast jeder Partensteiner Mann in jener Zeit mit erstem Namen Johann hieß, er wurde mit Sicherheit nie Johann gerufen, sollte eine Untersuchung wert sein.
Der Peter Born wurde Höger genannt um ihn von anderen Peter Borns zu unterscheiden und abzugrenzen. Natürlich hieß sein Vater auch Johann Peter Born. Da ist es ganz normal, wenn jemand einen „Spitznamen“ zur Unterscheidung bekommt. Unser Johann Peter Born wurde also Höger genannt.

Höger war ein Hügel, der zwischen dem Weg „Am Sportplatz“ und der „Linkgasse“ lag. Dort befindet sich heute das Feuerwehrgerätehaus.

Schauen wir uns an was, außer den Maria-Theresia-Talern, vom Höger und seinem Leben erhalten ist.
Es ist naturgemäß wenig, da er ein unscheinbares und kurzes Leben führte.

Sein Vater hieß auch Johann Peter Born, seine Mutter war eine Elisabetha
geb. Lang. Er war der erste Sohn der beiden und wurde am 14. August 1778
geboren.
Am dritten Februar 1805 heiratete er die Anna Margaretha Imhof, die Tochter des
Valentin Imhof und seiner Ehefrau Anna Margaretha geb. Grimm.
Über die ersten Jahre der Ehe der beiden war nichts in Erfahrung zu bringen.
Am 9. Dezember 1812 wurde den Eheleuten ein Sohn, Johann Philipp, geboren.

Es ist anzunehmen dass der Höger von der Landwirtschaft lebte. Ein Beruf ist nirgends ver-merkt. Vielleicht machte er auch noch Gelegenheitsarbeiten, denkbar ist das Fahren irgendwelcher Güter, zum Beispiel Holz, das in den heimischen Wäldern geschlagen wurde und in Lohr verschifft oder geflößt wurde.

Das Unglück geschah am 20. Juli 1813. Der Höger holte Holz im Wald.
Er befand sich schon auf dem Rückweg, als sein mit Holz beladener Wagen kippte. Er ver-suchte den Wagen zu halten und stemmte sich gegen den hochbeladenen Wagen.

Er konnte den Wagen nicht halten. Der Wagen fiel um und begrub den Höger unter sich.
Sein Körper wurde an mehreren Stellen gequetscht.
Wenn er alleine im Wald war, wird er lange gelegen haben, bis ihn jemand suchte und fand. Falls aber ein zweiter Mann dabei war, musste dieser erst ins Dorf laufen, um Hilfe zu holen. Die Verletzungen waren schlimm. Es gab auch keinen Arzt im Dorf der zu seiner Heilung hätte beitragen können.
Acht Tage später, am 28 Juli morgens gegen sechs Uhr erlag er seinen Qualen.
17 Tage vor seinem 35. Geburtstag.
Am 30. Juli 1813 wurde er beerdigt.

Er konnte seiner Frau nicht mehr sagen, dass er Geld auf dem Dachboden versteckt hatte. Seine Witwe, Anna Margaretha, hätte die drei Taler mit Sicherheit sehr gut brauchen können in ihrer Lage.
Der Höger hatte, da er von seiner Jugend an, Krieg, Plünderungen und Not kannte, seine Not-groschen gut versteckt, so gut dass sie nach seinem Tod noch 140 Jahre im Versteck blieben.
Nun sind alle Fakten die einen Schatz begründen aufgezeigt.
In einer schlechten und gefährlichen Zeit versteckt, kommt der Eigentümer aus irgendwelchen Gründen nicht mehr dazu, seinen Besitz zu nutzen.
Alles das trifft nur auf den Höger zu. Deshalb ist die Annahme schlüssig, dass die drei Taler aus dem Besitz des Johann Peter Born stammten.

Anna Margaretha, seine Witwe, heiratete am 6. November 1814 den Johann Michael Amend.
Aber der Hausname blieb im Haus. Die Nachkommen, auch die Kinder und Kindeskinder des Johann Michael Amend, bis in die Mitte unseres Jahrhunderts heißen mit Hausnamen „Borns“. Die Alten Leute verwenden diesen Hausnamen noch, bei den heutigen Nachkommen wird der Namen nicht mehr genutzt.
In unserer Zeit gibt es meist andere Spitznamen zur Unterscheidung, Namen die nur in selte-nen Fällen einen Bezug auf die Familie oder Herkunft der betreffenden Menschen haben.

Über den damaligen Wert der drei Taler hatte ich berichtet. Wir wissen nicht was er für den Höger bedeutete. Seine Witwe hätte das Geld sicher nötig gehabt, in einer Zeit, da es keine Witwen- und Waisenrente gab. Die Witwe musste nun sehen wie sie und ihr noch nicht mal ein Jahr alter Sohn durch das Leben kamen.
Deshalb heiratete auch Anna Margaretha schon 16 Monate später wieder.

Was kostet ein Maria-Theresia-Taler heute?
Das ist genauso unbestimmt wie früher.
Es kommt anscheinend darauf an wo und wer die Münze kauft oder verkauft.
Ein Münzhändler aus Hannover hatte 1997 Maria-Theresia-Taler im Katalog und wollte für ein gut erhaltenes Stück DM 170.– (heute ca. 85,65 €)
Im Basar in Istanbul konnte ich 1995, nach etwas feilschen einen Maria-Theresia-Taler für DM 25.– (heute ca. 12,50 €) erwerben.

Es war für uns nur ein kleiner Schatz der da gefunden wurde. Für den Höger war es sein gan-zes Vermögen. In einer Gegend, in der es damals viele nur arme Leute gab, in der die Not sprichwörtlich war, da waren die drei Taler wirklich ein Schatz.

Wo ist der Schatz des Högers denn geblieben?
Nun, ich weiß es nicht.
Die Münze die der Finder einst besaß hatte ihn Jemand abgeschwatzt.

Wo sind die anderen Münzen hingekommen? Wo sind sie heute?

Ich glaube nicht dass die heutigen Besitzer ahnen, welche Geschichte hinter den Talern steckt.

Ausgabe 3   27. Oktober 2012                       Holger Breitenbach